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Physik im Kindergarten! Warum nicht?

Von StD Werner Stetzenbach

TIMSS, Pisa sicher ein Schock. Was nützen die nun vielfach geforderten und angekündigten Leistungsvergleiche? Damit werden vielleicht auf längere Sicht Leistungsunterschiede innerhalb Deutschlands ausgeglichen, insgesamt bleiben wir aber weiterhin unter dem OECD-Durchschnitt.

Die Mängel liegen im Bereich der Naturwissenschaften eindeutig u.a. auch in der staatlichen Organisation. Kinder sind von sich aus - besonders bis in die Pubertätsphase – an naturwissenschaftlichen Fragestellungen interessiert. Gerade aber in dieser Altersstufe haben sie oft gar keine gezielte Anleitung; für den Bereich Physik noch weniger als für Biologie. Konnten doch vor etwas über zehn Jahren Vorschule und Grundschule relativ schnell fremdsprachliche Konversation in ihr Lehr- bzw. Lernprogramm übernehmen, so haben wir im Bereich der Naturwissenschaften mit zusätzlichen Schranken zu kämpfen. Viele Lehrende haben z.B. in Physik nur einen 2-stündigen Unterricht in den Klassen 8 – 10 der Sekundarschule genossen und dies vielleicht nur im oft üblichen wissenschaftsorientierten Stil. Bieten wir doch hier als Gymnasiallehrer mal unsere Hilfe an. Wenn wir nämlich etwas ändern und motivierte Schüler im Bereich der SI haben wollen, dann müssen wir so früh wie möglich einsteigen. Warum nicht sogar schon im Kindergarten? „Peter Lustig : Löwenzahn“ und die „Sendung mit der Maus“ machen es uns doch vor. Interessante Fragestellungen, sachlich richtig und altersgemäß aufbereitet.

Genau diesem Problem haben wir uns gestellt. Sieben Schüler und Schülerinnen der Klasse 10 des Wilhelm-Erb-Gymnasiums , 67722 Winnweiler mit ihrem Physiklehrer. Es wurden Fragestellungen und Versuche aufbereitet, die dann bei einer Kindergartengruppe wahnsinnige Begeisterung hervorrief. Überraschend war für alle auch das Vorwissen, das von den 5- und 6-jährigen Kindern spontan geäußert wurde und flexibel in den Ablauf integriert werden konnte. Natürlich haben wir nicht nur Versuche durchgeführt. Jede Versuchsgruppe hatte ein Ziel.

Angriff aufs Trommelfell. Ziel : Vorbeugen von Gehörschäden

Aufgabenstellung: Versuch:
- Prüfe das Gehör - Hörfrequenzbereich bestimmen
- Schall bewegt Luftteilchen - Flamme verbiegen
- Schall hämmert aufs Trommelfell - tanzende Gummibärchen auf Basslautsprecher
- Was passiert im Gehörgang? - Kuntsche Staubfiguren in der Röhre
- „Joghurtbecher“-Telefon - Schnurtelefon im Selbstbau


Wie entstehen Blitze? Ziel : Naturverständnis

Aufgabenstellung Versuch
- Reibungselektrizität Hartgummistab reiben, Glimmlämpchen
- „Struwwelpeter“ Hartgummistab reiben, Haare
- Bandgenerator Papierstreifen als Modellhaare, Person auf Isolierschemel, fliegende Watteflocken
- Blitzeinschlag Blitze zwischen Bandgenerator und geerdeter Konduktorkugel, zünden eines mit Feuerzeugbenzin getränkten Wattebausches

Elektrischer Strom. Ziel : Gefahr aus der Steckdose:
„brutzelnde“ Weißwurst als Teil eines elektrischen Stromkreises

Wir spielen Elektrizitätswerk. Ziel : Energieeinsparung
Beleuchtung eines dunklen Raumes durch selbsttätige Erzeugung von elektrischer Energie mit einem Modellgenerator

„Heißer Draht“.
Ziel : Gedulds- und Koordinationsübung

Zum Schluss wurden jedem Teilnehmer Gummibärchen in Luftballons verpackt - der Luftdruck macht's möglich.

Schon Schluss? Machen wir noch mehr? Wann dürfen wir wieder kommen? – so die begeisterten Kinder. Ein Bild über das Lieblingsprojekt war die erste „Hausaufgabe“.

Zukünftig wird in diesem Pilotprojekt versucht, Vorschul- und Grundschulthemen mit den Vorschulleiterinnen und Lehrkräften der Grundschule entsprechend aufzubereiten, um dadurch die natürliche Neugierde gezielt zu fördern. Die Verlagerung von reiner Unterhaltungsnaturwissenschaft in den wertvolleren interaktiven Bereich ist angestrebt und eines der wesentlichen Ziele. Insbesondere hoffen wir natürlich die Begeisterung für physikalische Fragestellungen weiter als bisher aufrecht zu halten.

 

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